Donnerstag, 10. Juli 2008

Mia beim Heimwerken

Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände.
Alles begann damit, daß ich mich dazu überwunden hatte, endlich ein paar Shirts, die nur als Handwäsche gewaschen werden können, auch als Handwäsche im Waschbecken zu waschen.

(Allen, die jetzt schreien "Es gibt aber bei Waschmaschinen eh ein Handwäsche-Schonprogramm" sei gesagt: meine Waschmaschine ist auf Koch- und Buntwäsche eingestellt. Wenn ich versuche, das Programm zu ändern, schleudert sie nicht mehr, egal, welchen Knopf ich drücke, egal, wogegen ich trete, egal, wie laut ich fluche.)

So - also Wäsche ins Waschbecken, Stoppel rein, Wasser rein, Waschmittel rein ... kneten ... bla bla ... und eine kleine Ewigkeit warten, bis endlich das Wasser abgelaufen war.
Oho! dachte sich die liebe Mia. Abfluß verstopft, aber wie!
Aber: Um teures Geld Abflußreiniger reinkippen? Niemals!
Also, abgeschraubt den Sifon.
Und eine wirklich beeindruckende Menge an Grausligkeit hervorbefördert *brrrrrr*
Das Ding wieder reingedreht, kurzer Wassertest und siehe da - es tropfte, und zwar nicht zu knapp. Noch dazu nicht bei irgendeinem Schraubverschluß, sondern aus der Wand heraus, in dem das Abflußrohr verschwindet.

Nach der ganzen Herumsch.... wegen der Miete, dem Kopfzerbrechen, das die Gastherme uns macht und der Waschmaschine, die in bestimmten Waschphasen Sturzbäche ausspuckt, setzte das dem Ganzen noch die Krone auf.

Mehrere Neumontage-Versuche sowie einen Schreikrampf später sah ich mich bereits um teures (und v.a. nicht vorhandenes) Geld einen Installateur rufen, weil: alles nach wie vor undicht. Rohr mittlerweile noch dazu in ziemlicher Schieflage aus der Wand herausragend. Die liebe Mia der Hyperventilation nahe.

Gut - etwas tun ... jemanden fragen, der sich damit auskennt.
WEN????

* Hase: zur Zeit auf wohlverdientem Männerrunden-Urlaub - will ich dieses eine Mal nicht mit meinem Wahnsinn stören. Außerdem, was soll Hase vom Urlaubsort aus schon mit meinem Waschbecken machen?

* Eltern: heben nicht ab (tun sie nur äußerst selten, wenn in meinem Haushalt die Kacke am Dampfen ist ... scheinen 6. Sinn dafür zu haben, wenn ich wegen sowas anrufe ...)

* Reini: nach kurzer Überlegung fielen mir sämtliche Heimwerkergeschichten mit mehr oder weniger glücklichem Ausgang ein, die Reini in fröhlicher Runde schon zum Besten gegeben hatte. Gepaart mit dem handwerklich fitten Eindruck den er schon beim Umzug hierher gemacht hat und (v.a.!!) mit dem Angebot "wenn was is, rühr dich einfach", hab ich ihn skrupellos angerufen und ihm meine mißliche Lage geschildert.

Verständnisvolle Laute am anderen Ende der Leitung.
"Und, was hast du denn für einen Sifon? Plastik oder Metall?"
Ich bin froh, daß er mir diese Auswahlmöglichkeiten gegeben hat, meine Initialantwort wäre gewesen "einen gebogenen".
So aber klang ich sehr intelligent, als ich sagte: "Metall."
Weitere verständnisvolle Geräusche.
"Ja, das ist schwierig, den wieder dicht zu kriegen ..." Ich verkrampfte mich innerlich ... "am besten du schraubst das ganze Ding raus ..." es folgte eine detaillierte Beschreibung, wie man den Sifon
1. vom Waschbecken runter
und
2. aus der Wand raus
bekommt, zusammen mit der Versicherung, ich könnte dabei nichts kaputtmachen.

"Am besten", so Reini weiter, "versuchst einfach, das Ding wieder komplett neu dranzusetzen. Wenn's trotzdem nicht dicht wird, gibt's 2 Möglichkeiten: neue Dichtungen kaufen oder neuen Sifon kaufen - die Plastiksifone sind sowieso viel besser, und total leicht zu montieren."
Angesichts der Sauerei, die ich zu diesem Zeitpunkt bereits im Badezimmer veranstaltet hatte, erschien mir alles besser als dieses verfluchte Metallgestänge, das in der Dusche lag und vor sich hin tropfte und stank.
Reini verabschiedete mit dem Tip, dem Metallding nochmal eine Chance zu geben, versprach mir erneut, ich könnte nichts zerstören und bot mir an, nach der Arbeit vorbeizuschauen, falls nichts helfen sollte.

Mia, wieder voll neuen Mutes, murkst geschlagene eineinhalb Stunden mit dieser Scheußlichkeit von Sifon herum, nur um schließlich den Entschluß zu fassen, daß ein Plastiksifon her muß. Reinis Schwärmerei über diese Dinger und die Worte "total einfacher Einbau" echoten mir noch in den Ohren - na, das kann ja nur halb so wild sein, also, auf in den Baumarkt.

Man muß dazu sagen, daß es in meiner einfachen, kleinen Welt nur eine Art, eine Größe und einen Durchmesser von Rohren gibt - und zwar die von *meinen* Rohren. Ich war tatsächlich der Meinung, daß es sicher nur eine Art von Sifon mit einer Art von Rohr dran geben kann - das ist ja sicher irgendwie genormt. Dachte ich.
Der Baumarkt war anderer Meinung.
Ich war konfrontiert mit einer überwältigenden Anzahl an Sifonen - Raumspar-Sifone, Spezial-Sifone, Sifone mit und ohne Zu- und Ableitungsstutzen, Sifone mit biegsamen Schläuchen, Sifone mit Extrahalterung und ohne, Sifone mit unterschiedlichen Durchmessern, ... nur aufgrund dieses Ausflugs heute vormittag weiß ich überhaupt, wie man das Wort "Sifon" schreibt!

Tja - was nun? Natürlich nicht zurück zur Wohnung gelatscht um auszumessen, sondern natürlich nach bestem Wissen und Gewissen so ein Teil rausgesucht, bezahlt und gegangen. Klingt hurtig, hat aber ob meiner herausragenden Planlosigkeit fast eine Dreiviertelstunde gedauert.

Standort: Badezimmer.
Packung aufreißen, Rohr mal ans Loch in der Wand halten und - selbstverständlich - folgendes feststellen:
Irgendwie ist das zu groß.
ABER: von sowas läßt sich die emanzipierte Frau von heute doch nicht entmutigen! In meiner Werkzeugkiste befinden sich 2 Hämmer, diverse Schraubenzieher und Paketklebeband ... damit muß doch etwas anzufangen sein.

(Wer mich kennt, ahnt, worauf das hinausläuft ...)

Nachdem es nicht und nicht klappen wollte, meinen neuerworbenen Plastiksifon mit einem Hammer zurechtzuformen (und man möge mir glauben, ich hab es redlich versucht!), fiel mein Blick auf die unschuldig auf dem Küchentisch liegende Schere.
Die nächste Stunde verbrachte ich damit, den Sifon zurechtzuschneiden, erstens, damit er eine brauchbare Länge hat, zweitens, damit er ins Loch paßt. Ersteres ist unter Blasenbildung an den Händen recht gut gelungen, zweiteres schien nicht so besonders von Erfolg gekrönt .
Währenddessen rief mich meine Mutter zurück, die sich über mein Unterfangen königlich amüsierte. Es war tatsächlich, als wollte man ein eckiges Schwein durch ein rundes Loch schieben ... chancenlos. Es dauerte allerdings insgesamt von halb 9 Uhr vormittags bis 13:30 bis das auch endlich in meinen Sturschädel hineinging.

Geschlagen und frustriert schickte ich Reini ein SMS in dem ich ihn - recht dramatisch, glaube ich - bat, mich aus diesem selbstverschuldeten Käse zu erlösen.
Als wir beim darauf folgenden Telefongespräch auf die bisherigen Ereignisse zu sprechen kamen, toppte sein Gelächter noch das meiner Mutter.

Bilanz des heutigen Tages:

Vollkommen unbrauchbare Scheren: 1
Leute unter zum Lachen gebracht: ingesamt 4
Momente, in denen ich der ultimativen Verzweiflung nahe war: zahllose
Minuten, die Reini gebraucht hat, um alles wieder hinzukriegen: 10
Vom Umtausch vollkommen ausgeschlossener Plastiksifon: 1 1/2 (ich hab nämlich auch noch ein total cooles Zusatzstück gekauft, wo ich eigentlich den Waschmaschinen-Ablauf dranmontieren ... naja, lassen wir das ...)

Feuchtgebiete - Charlotte Roche (SPOILER)

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Von El Kueblo zum Geburtstag bekommen und in 2 Tagen ausgelesen ... nicht unbedingt, weil die Handlung so fesselnd gewesen wäre, sondern eher aus morbider Faszination heraus - kann mir als Sani vor irgendeiner Beschreibung wirklich grausen? Ich halte mich in Hinsicht auf diverse Körperflüssigkeiten und die Art und Weise wie sie den Körper verlassen für halbwegs abgehärtet und war wirklich recht neugierig.

Wie gesagt, die Handlung hat mich nicht unbedingt vom Hocker gerissen - es geht vordergründig nicht unbedingt um viel. Ein Scheidungskind, das sich wünscht, die Eltern wären wieder zusammen und das nebenbei noch wegen einiger nicht besonders schmackhafter sexueller Vorlieben im Krankenhaus landet. Dann noch ein bißchen Romanze zum Drüberstreuen.
Spannender fand ich den schwelenden Konflikt, der in der Familie der Protagonistin stattfindet - sie hat als kleines Kind ihre Mutter mit ihrem kleinen Bruder im Arm bewußtlos in der Küche vor dem offenen Gasbackrohr gefunden. In der Familie wurde dieser Selbstmord-/Mordversuch nach Entlassung von Mutter und Sohn aus dem Krankenhaus allerdings erfolgreich totgeschwiegen (was sicher gaaaaar nix mit den miesen Familienstrukturen zu tun die sich danach entwickelt haben). Aber leider wird der Teil des Buches wirklich recht kurz gehalten ... wenn das vielleicht auch gar nicht so schlecht ist. Nicht, weil die Unappetitlichkeiten drum herum so prickelnd wären, sondern, weil dadurch das Ohnmachtsgefühl der Hauptdarstellerin erst richtig zur Geltung kommt.

About

Ein bunter Mix aus Sanitätergedanken, Studentenqualen, zuwenig Schlaf, drei Jobs und einem zum Teil etwas wirren Privatleben. Lesen auf eigene Gefahr. Dass Beiträge immer verständlich und klar formuliert sind, wird hier nicht garantiert.

Zum Rauszoomen ...


Massive Attack
Paradise Circus



Clara Luzia
Here's To Nemesis

Das kleine....

Früher, als das Gras noch grün und die Kühe noch fett waren ...

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Wow ... Schon soviele?

Little Mia is watching :-) ...

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Zuletzt aktualisiert: 28. Jan, 01:32

Disclaimer

Eh klar. Alles erstunken und erlogen. Keine Ähnlichkeiten zu wem auch immer, egal ob lebend, tot, fiktional. Und mich gibt's in Wirklichkeit auch nicht.

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