Mittwoch, 23. März 2011

Die Uhr tickt

Nein, manchmal hab ich keine Lust aufzustehen. Wirklich nicht. Das sich-aus-dem-Bett-treten erfordert bisweilen erstaunliche Verrenkungen, um den dazu nötigen A...tritt selbst in der nötigen Stärke zu produzieren. Nicht wegen müde und so ... müde bin ich eigentlich immer. Es sagen mir auch ständig alle, ich würde unglaublich müde aussehen. Müde ist aber kein Grund, um nicht aufzustehen. Nichtmal krank ist wirklich ein Grund um nicht aufzustehen.

Einfach nicht zu wollen, ist durchaus ein Grund, um nicht aufzustehen. Gilt aber nicht. Und dienstbeflissen wie ich bin, geh ich unterrichten. Und malen. Und trainieren. Und ins Büro. Und auf den RTW. Kein Stillstand. Stillstand induziert Grübeln. Grübeln ist nicht gut.

Und dann kommt so ein Dienst. Und man sieht - so schnell kann es vorbei sein. Einfach so, ohne Vorankündigung. Machtlos reanimierst du dich im Angesicht tränenüberströmter Angehöriger in den Muskelkater deines Lebens, viertel-, halbestundenlang. Das EKG wird immer mieser. Du drückst immer weiter. Vor einer Stunde ist der gute Mann noch vorm Fernseher gesessen, vor dem wir jetzt knien und ihm über den i.o. Zugang das 6. Milligramm Adrenalin hineindrücken.

Irgendwann zeigt es sich dann allmählich, das sterbende Herz, und die Nullinie bahnt sich an, und da kriegst du die Leute nicht mehr raus. Die Doktorin, Realistin und Mensch zugleich, erkennt die Lage für das, was sie unter diesen Bedingungen und nach einer Dreiviertelstunde CPR nun einmal ist: aussichtslos.

Es folgt ein erschütternder Berg an Bürokratie und Zeugs - Angehörigenbetreuung, Einsatzprotokolle, Reanimationsprotokolle, Einsatznachbesprechung, Aufräumen. An der Pinnwand im Vorzimmer: "Für meine Liebste eine Gutschein für ein Wochenende zu zweit".

Im Hinterkopf: vor einer Stunde hat er noch gelebt.

RTW einsatzbereit machen. Letztes Protokoll fertigschreiben und das dann noch 3x kopieren. Durchschlag vom Notarztprotokoll holen. Eine rauchen. Ok, es geht weiter.

Vor einer Stunde....

Nein, manchmal hab ich keine Lust, aufzustehen. Auch, wenn ich brutal vor Augen geführt bekomme, wie schnell es passieren kann, daß man nicht mehr aufsteht.
Aber wenn dann aufgestanden worden ist, weiß ich dafür das Schöne mehr zu schätzen. Die Leute, denen ich am Herzen liege. Die Sonne, die mir endlich wieder ins Gesicht blinzelt. Die erste Eiskugel der Saison (Kokos!). Ein liebes Wort hier, ein Lächeln da. Denn die Uhr tickt.

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Ein bunter Mix aus Sanitätergedanken, Studentenqualen, zuwenig Schlaf, drei Jobs und einem zum Teil etwas wirren Privatleben. Lesen auf eigene Gefahr. Dass Beiträge immer verständlich und klar formuliert sind, wird hier nicht garantiert.

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Früher, als das Gras noch grün und die Kühe noch fett waren ...

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Zuletzt aktualisiert: 28. Jan, 01:32

Disclaimer

Eh klar. Alles erstunken und erlogen. Keine Ähnlichkeiten zu wem auch immer, egal ob lebend, tot, fiktional. Und mich gibt's in Wirklichkeit auch nicht.

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