Freitag, 16. Oktober 2015

Europa vs. anderswo

Herr und Frau Österreicher (und wenn man mancher Berichterstattung glauben darf, auch Herr und Frau Deutscher, bzw. generell homo mitteleuropeensis, der vielleicht nicht im Geld schwimmt, aber ein Auskommen hat) haben in der Regel ein großes Anliegen: es darf niemandem besser* gehen als ihnen selbst.

(*besser = ein Dach über dem Kopf und ein Bett haben, finanzielle Unterstützung beziehen, medizinische Versorgung erhalten - wobei der eigene Wohlstand gern kleingeredet wird, weil die Opferrolle eine sehr beliebte ist. Es geht uns ja mindestens genauso schlecht wie Flüchtenden, nicht wahr? Müssten nicht eigentlich *wir* viel mehr Zuwendung erhalten, weil es *uns* ja so schlecht geht?!)

Da wird mit Argusaugen gewacht, wieviel (Im)Migranten und Flüchtlinge an Zuwendungen erhalten und ob das eh nach individuellem Befinden beurteilt nicht zuviel ist ("wäu mir is jo a nix gschengt wordn!"). Abstruse Geldbeträge, die Asylwerber angeblich beziehen, und die völlig an der Realität vorbeigehen (http://www.unhcr.at/unhcr/in-oesterreich/fluechtlingsland-oesterreich/soziale-leistungen.html) werden verbreitet und Missgunst geschürt.

All diese Punkte sind an anderen Stellen schon hinreichend diskutiert worden und ich plane nicht, sie nochmal in aller Länge aufzurollen. Nur ist der direkte Vergleich zwischen Menschen, die es im Grunde nicht schlecht haben und die jetzt etwas gestresst sind aufgrund einer Krise, die sehr viele persönlich nicht einmal betrifft und Menschen, die schon von vornherein nicht viel besaßen und die tatsächlich alles verloren haben, interessant. Und für homo mitteleuropeensis mE nicht sehr schmeichelhaft.

Während meines letzten Auslandseinsatzes in Nepal habe ich viele Menschen getroffen, denen das Erdbeben ihren wenigen, kostenbaren Besitz geraubt hatte. Sie standen neben den Ruinen ihrer Häuser, suchten nach ihren noch immer vermissten Angehörigen und Freunden, hatten kein sauberes Trinkwasser, keine Möglichkeit, medizinische Behandlung zu beziehen, oft war das Vieh ebenfalls umgekommen und die Existenzgrundlage war damit verloren ... aber was ich von all diesen Menschen auch nicht ein einziges Mal gehört habe, war das Wörtchen "ich".

Viele haben sich herzlich bedankt, dass wir gekommen sind, um zu helfen. Sie haben uns Unterstützung angeboten, uns Essen geschenkt, uns ausgefragt - aber nicht ein einziges Mal ging es dabei um "und wann helft ihr *mir*?" oder um "Warum kümmert ihr euch denn zuerst um die *anderen*?" Kein "sich selbst automatisch zurückgesetzt fühlen", kein "Glauben man kommt zu kurz", nichts dergleichen.


Korrumpiert uns unser Wohlstand so sehr? Ist Besitz automatisch begleitet von wachsendem Neid? Und könnten wir unsere Verlustangst nicht vielleicht woanders ausleben, als auf dem Rücken derer, die bereits alles verloren haben?

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Ein bunter Mix aus Sanitätergedanken, Studentenqualen, zuwenig Schlaf, drei Jobs und einem zum Teil etwas wirren Privatleben. Lesen auf eigene Gefahr. Dass Beiträge immer verständlich und klar formuliert sind, wird hier nicht garantiert.

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Zuletzt aktualisiert: 28. Jan, 01:32

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