Donnerstag, 10. Februar 2011

Warum eigentlich?

Ich hab mal nachgedacht.

(Pause bis alle Flüchtenden den Raum verlassen haben).


Ich habe mir den letzten Blogeintrag ein wenig durch den Kopf gehen lassen ... auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, warum viele Rettungsdienstler so heikel auf ihr Auto sind.
Nein, ich pauschalisiere jetzt nicht, auch wenn's verlockend ist ... das ist sicher nicht bei allen so. Die einen achten mehr auf ihr Fahrzeug, die andern weniger. Bei meinem Lenker zum Bsp. hat sich bereits eine derart innige Beziehung zu seinem Lieblings-RTW aufgebaut, daß Glückwünsche zu Weihnachten oder Entschuldigungen nach Schimpftiraden - ans Auto wohlgemerkt! - schon zur Tagesordnung gehören.

Aber potentielle Störenfriede, die Türen aufreißen und ungefragt ins Auto krachen, lösen, denke ich, nun doch bei fast allen allergische Reaktionen aus.

Aber warum eigentlich?

Sicher, bei meinem Privatwagen (wenn ich denn einen hätte ...) wäre mir das auch immens unrecht, wenn ein Wildfremder aus dem Nichts erscheint, die Tür öffnet und stänkernd versucht, einzusteigen. Aber immerhin wäre das mein Auto. Der RTW unterliegt zwar unserer Verantwortung und ist ein gehöriges Eck teurer als der 0815-Standard-PKW- aber er gehört niemandem aus dem Team. "Besitzdenken" ist es also, glaube ich, nicht.

Und daß Leute, die uninstruiert ins Auto einsteigen, gleich alles zerstören, was sie in die Finger kriegen und die Mannschaft dann dafür belangt wird ... najaaaaaaa ... Der RTW an sich ist recht robust, so leicht kann man da drin auch wieder nix hin machen. Das isses dann wohl auch nicht.

Nach ein wenig Hin- und Herschieben des Gedankens im Kopf, glaub ich jetzt, es ist vielleicht sowas wie Hausfriedensbruch.

Dazu muß man wissen - der RTW ist die letzte Bastion. Die Festung. Das Ziel - versorgen können wir den Patienten überall, aber da drin können wir richtig arbeiten. Da drin ist alles, alles von dem man 90% ohnehin nie braucht - aber sollte man nun doch eine Koniotomie machen müssen, liegt das Zeug bereit, in einer der 15 Schubladen, Ausziehschränke, Schüttenfächer. Der RTW ist ein kleines Stück Sicherheit und Normalität, das wir zum Einsatzort mitnehmen, bei dem wir oft genug nicht wissen, wie er aussieht, oder was dort wirklich passiert. Egal, wie verrückt die Leute da draußen sind, egal, ob Gebäudebrand oder Psychose oder Schlägerei ... im Auto läuft es nach unseren Regeln, dort haben wir den Heimvorteil.

Vielleicht ist es deswegen, wie es ist. Das ist nicht nur die Autotür, die ein Fremder ungefragt aufreißt. Das ist, als würde er einfach in deine Wohnung kommen, den Kühlschrank leerfuttern und sich nackt in dein Bett legen.

In diesem Sinne: vorsorglich alles Liebe zum Valentinstag, lieber RTW :-)
Schlurf (Gast) - 18. Feb, 23:24

Sehr genialer Eintrag. Ich nehme an du weißt ohnehin wie ich darüber denke, bzw. wie ich damit umgehe.

Aber ohne deine Gedanken zerstören zu wollen. Ein bisschen Materialismus oder Kapitalismus is ja für uns Lenker schon noch dabei. Denn sofern man mind. Teilzeit ist...bekommt man doch einen kleinen Geldbetrag im Halbjahr wenn keiner vor einem die Tür aufreisst oder jemand gegen das Auto tritt.

Vom Papierkram der zu erledigen ist ganz abgesehen.

Aber eins bleibt...auf seinen Burgfried muss man achten und hegen und pflegen...dass man sich im NOTFALL darin zurückziehen kann.

m_i_a - 19. Feb, 14:25

ja, die unfallfreiprämie, ich vergaß ...
aber trotzdem! einfach trotzdem!
(als typisch weibliches totschlagargument ;-) )
mathias (Gast) - 27. Feb, 21:40

netter eintrag; so hab ich das noch die gesehen... jetzt wo du es schreibst muss ich dir aber zu 100% zustimmen...

mia (Gast) - 16. Mrz, 17:38

Ich muß gestehen, ich find auch nach nun mehrtägigem Nachdenken, daß es noch immer stimmt ;)

Unfassbar. Wirklich?

mia (Gast) - 16. Mrz, 17:32

in der Tat!
blogg-hittn-wirtin (Gast) - 22. Mai, 13:21

Vielleicht liegt es ja auch einfach daran, dass es sich beim RTW um euren Arbeitsplatz handelt. Wenn ich so vergleiche und mir vor Augen führe, was in mir vorgeht, wenn ich jemanden "erwische", wie er sich an meinem Schreibtisch/Computer in der Firma zu schaffen macht, wallen auch bunt gemischte Gefühle - von denen manche nicht sonderlich menschenfreundlich sind - hoch. Dazu kommt bei eurem "Arbeitsplatz" ja noch, dass es besonders wichtig ist, dass alles intakt und an gewohnter Stelle -auch blind - greifbar bereitliegt ...

Bin hier zufällig hereingestolpert - schönes Blog! :^)
Liebe Grüße,
"die 'wirtin"

mia (Gast) - 10. Jun, 17:27

hui, jetzt hats aber lang gebraucht, bis ich deinen kommentar gefunden habe :) schön, daß es dir bei mir gefällt - und ich glaube, du hast recht, wir verlassen uns natürlich auch sehr drauf, daß alles dort liegt, wo es liegen soll :)

ich freu mich auf ein wiederlesen! :)

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Ein bunter Mix aus Sanitätergedanken, Studentenqualen, zuwenig Schlaf, drei Jobs und einem zum Teil etwas wirren Privatleben. Lesen auf eigene Gefahr. Dass Beiträge immer verständlich und klar formuliert sind, wird hier nicht garantiert.

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