Sonntag, 24. November 2013

Brunchweisheiten

Während ich mich gestern mit der besten Michelle der Welt 2 Stunden lang durch ein beeindruckendes Brunchbuffet gefuttert haben, ist mir eines klar geworden.

Im letzten Beitrag war es es auch schon erwähnt - ich mag mich selbst endlich, zum ersten Mal. Das, was mir gestern nur erschütternd klar geworden ist, ist die Tatsache, dass das auch meine Kindheit miteinbezieht. Dass ich schon im Kindergarten und in der Volksschule (soweit ich mich noch daran erinnere) das Gefühl hatte, nicht genug zu sein, nicht klug genug, nicht hübsch genug, nicht dünn genug, nicht beliebt genug, etc. .

Und es gibt genügend Studien, die zeigen, dass es mir damit nicht als einzige so ging, oder geht. Schon bei Kindern zwischen 9 und 12 Jahren zeigen sich erste pathologische Verhaltensänderungen beim Essen (fast 40 % in dieser Altersklasse haben schon eine Diät hinter sich) (1) . Das Alter, in dem Ess-Störungen auftreten, verringert sich von Generation zu Generation (2) und lag schon in den 70ern und 80ern zu einem großen Teil bei 14 Jahren oder noch weniger (3).

Bitte, woher kommt das? Sind das wirklich "die Eltern", die in ihrer eigenen Unsicherheit ständiges Unzufriedensein mit sich selbst vorleben und weitervermitteln? Ist es das, was man "die Medien" nennt, die ein unrealistisches Körperbild zeigen? Ist es "der Leistungsdruck", der ständigen Perfektionismus fordert und keine Abweichungen toleriert? Ist es "die Schule", die nicht genug auf die einzelnen Kinder und ihre Bedürfnisse eingeht und sie fördert und fordert und zu hohen Stress erzeugt und nicht genug Sportunterricht, etc. anbietet?

Wie konnte es verdammt noch mal so weit kommen, dass Volksschulkinder abnehmen wollen? Meine Güte, ich habe selbst schon 6, 7-jährige Mädls gehört, die einander als Beleidigung ein herzhaftes "du bist so FETT!!!" hingeschmettert haben - als wäre das das allerschlimmste, was ein Mensch sein könnte. Vier Buchstaben, die dein Selbstwertgefühl an die Wand klatschen, deinen Stand im Freundeskreis (zumindest für dich selbst) wackeln lassen, die dich am Abend zu Hause im Bad auf die Waage und vor den Spiegel treiben, wo du dich beäugst, und an deinem Hintern und Bauch herumzupfst, immer mit diesem einen Satz im Ohr und den gephotoshoppten Frauen aus Magazinen, Serien und dem Internet vor Augen. Wie konnte das passieren?

Es geht mir nicht darum, anzuklagen und mir ist auch klar, dass dieses Problem multifaktoriell ist. Es gibt nicht nur "den einen Schuldigen".

Ich empfinde es nur als unbeschreiblich, dass in vielen Fällen nicht nur das Erwachsenenalter, sondern bereits die Kindheit überschattet ist von Selbstzweifeln, dem Gefühl ungenügend zu sein, und dem häufigen Rückschluss der Kinder, dass das am eigenen Aussehen oder Gewicht liegen muss. Auch, wenn es nicht "den einen Schuldigen" gibt, so gibt es vielleicht "den einen Rettungsanker", und das ist jeder einzelne von uns, der Kontakt mit Kindern hat: Wir müssen uns bewusst sein, dass Kinder nicht nur ein Spiegel unseres eigenen Verhaltens sind, sondern auch unseres eigenen Selbstwertgefühls.



(1)http://pediatrics.aappublications.org/content/84/3/482.short
(2)http://europepmc.org/abstract/MED/20141711/reload=0;jsessionid=HjeMEJ97WoENtIX5oiVn.56
(3)http://link.springer.com/article/10.1007%2FBF01537539

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Ein bunter Mix aus Sanitätergedanken, Studentenqualen, zuwenig Schlaf, drei Jobs und einem zum Teil etwas wirren Privatleben. Lesen auf eigene Gefahr. Dass Beiträge immer verständlich und klar formuliert sind, wird hier nicht garantiert.

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