Die Memoiren einer Überlebenden - Doris Lessing

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Der Klappentext liest sich zumindest stellenweise vielversprechend:
"In ihrem Roman 'Die Memoiren einer Überlebenden', einem Buch, das in seiner prophetischen Potenz auf einem Rang mit Orwells '1984' steht, schildert Doris Lessing den stufenweisen Zusammenbruch der einzigen Gesellschaftsordnung, die wir kennen, und untersucht die Chancen der Menschheit, durch ein Zurückfinden zum gemeinsamen Selbst sich zu heilen." - FAZ

Orwells '1984' ist für mich ein Buch, mit dem sich an Genialität bisher noch nichts, das ich kenne, messen konnte. Schon allein darum schien mir die Lektüre der "Memoiren" als Pflicht. Noch dazu zierte ein großes, fettes Pickerl mit der Aufschrift "Literaturnobelpreis 2007" das Cover. Auch das macht neugierig.

Wer sich Action des Zusammenbruchs einer Zivilisation á la Hollywood erwartet, wird sicherlich herb enttäuscht. Lessing beschreibt nicht das "big picture", sondern einen Ein-Personen-Blick auf den Verlust gewohnter Strukturen. Die Erzählerin, eine Frau mittleren Alters, beobachtet von ihrem Küchenfenster aus, wie immer mehr Menschen sich in Kolonnen davon machen und die Stadt verlassen - bepackt mit Vorräten, zu Fuß oder zu Pferd, denn Autos funktionieren schon lange nicht mehr. Sie weiß wohl, daß auch sie nicht ewig hier in ihrer Wohnung bleiben kann, vermeidet es aber, sich mit dem Gedanken wirklich auseinanderzusetzen. Dazu kommt im ersten Viertel des Buches noch ein junges Mädchen, um das sich die Erzählerin zu kümmern hat und das etwas merkwürdige, immer wieder auftauchende Thema einer Zimmerwand, die im Licht der Vormittagssonne durchgängig wird und den Weg in eine andere Welt freigibt.

Alles in allem ein sehr seltsames Buch. Weder wird klar, was den großen Zusammenbruch verursacht hat (was wohl von der Autorin durchaus so gewollt war), noch, was sie mit dem etwas strangen Ende bezwecken will. Die ganze Thematik der durchgängigen Wand, die permanent auftaucht und sicherlich irgendetwas bedeutet, war für mich eher befremdlich als fesselnd, wenn das Buch als ganzes auch sprachlich durchaus angenehm und fließend zu lesen war. Gerade die Charakterisierung der Liebe des Menschen zur Gewohnheit und die Anstrengungen, die er auf sich nimmt, um auch ja diese Gewohnheit in irgendeiner Weise beibehalten zu können, trifft wirklich auf den Punkt. Auch sind Lessings Personenbeschreibungen sehr plastisch und interessant.

Unterm Strich: Nobelpreis? Warum auch immer. Unterhaltsam? In Maßen. Packend? Geht so. Man möge mich einen Literaturbanausen schimpfen, aber wirklich prickelnd war es leider tatsächlich nicht.

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Ein bunter Mix aus Sanitätergedanken, Studentenqualen, zuwenig Schlaf, drei Jobs und einem zum Teil etwas wirren Privatleben. Lesen auf eigene Gefahr. Dass Beiträge immer verständlich und klar formuliert sind, wird hier nicht garantiert.

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